Deutsche Schriftsteller des 20. Jahrhunderts

Man ist es gewohnt über die Kultur des eigenen Landes zu schimpfen. Die großen Künstler schaffen ihre Meisterwerke woanders. In der Heimat ist der Prophet meist nichts wert, wie es so schön heißt. Das gilt für die deutsche Literatur vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in besonders hohem Maße. Doch stimmt es wirklich, dass hierzulande der Zweite Weltkrieg auch in der literarischen Welt eine Brachlandschaft hinterließ? Oder blieb der Boden auch nach Thomas Mann und Bertolt Bracht fruchtbar? Tatsächlich gibt es Grund zur Annahme, dass Deutschland auch nach dem Krieg ein Land der Dichter und Denker blieb. Einige der bedeutendsten möchten wir in diesem Text vorstellen.

Wolfgang Koeppen

Wolfgang Koeppens künstlerische Anfänge liegen in der Weimarer Republik. Nachdem eine angestrebte Schauspielkarriere scheiterte, widmete er sich dem Schreiben. In „Eine unglückliche Liebe“ verarbeitete er seine nicht erwiderte Liebe zur Schauspielerin Sybille Schloß. Es sind jedoch seine in den 1950er-Jahren erschienenen Romane „Tauben im Gras“, „Das Treibhaus“ und „Der Tod in Rom“, für die er in Erinnerung bleiben wird. Thematisch setzte sich Koeppen in dieser „Trilogie des Scheiterns“ mit dem Seelenzustand der vom Krieg gezeichneten Deutschen auseinander. Aber auch die an Vorbilder wie William Faulkner und Alfred Döblin angelehnte formale Anlage der Romane waren der Grund, warum der Autor lange unverstanden blieb und sich zunächst der Gattung Reiseliteratur verschrieben hatte.

Peter Weiss

Peter Weiss war in der Zeit des Nationalsozialismus, wie viele seiner Kollegen auch, zu einem Dasein als Emigrant gezwungen. In den 1930er-Jahren flüchtete er nach London und in die Tschechoslowakei. 1940 ging er ins schwedische Stockholm, das bis zu seinem Tod 1982 seine Heimat blieb. Weiss schrieb seine ersten Bücher auf Schwedisch. Der Durchbruch gelang ihm mit dem Mikroroman „Der Schatten des Körpers des Kutschers“. Es folgten die autobiographisch gefärbten Erzählungen „Abschied von den Eltern“ und „Fluchtpunkt“. Sein episches Werk kulminiert mit dem 1975 veröffentlichten Opus magnum „Die Ästhetik des Widerstandes“. Weiss war auch ein geachteter Theaterautor und experimenteller Filmemacher.

Arno Schmidt

Ein radikaler Außenseiter in der deutschen Literaturgeschichte ist bis heute auch Arno Schmidt. Zu Lebzeiten verweigerte sich der 1914 geborene Schriftsteller hartnäckig dem Literaturbetrieb. Es war aber auch seine radikale und unangepasste Ästhetik, mit der er immer wieder aneckte. Schmidts Sprache war avantgardistisch und scheinbar ohne Vorbilder. Gattungstechnisch war er aber in der Tradition durchaus verankert. Er schrieb mal historische Romane, die mit Vorliebe in der Antike spielten, wie die Erzählungen „Kadir“ und „Alexander“. Mal schuf er utopische Erzählungen und Romane, in denen er düstere Untergangsszenerien zeichnete, darunter der Kurzroman „Die Gelehrtenrepublik“ und die Erzählung „Schwarze Spiegel“.

Uwe Johnson

Weiterer Beleg für Bedeutung und nachhaltige Popularität von Arno Schmidt, Wolfgang Koeppen und andere ist der Umstand, dass ihre Bücher immer wieder auch als Hörbücher verlegt werden. Das gilt auch für die erfolgreichsten Arbeiten Uwe Johnsons – auch er ein Radikaler der deutschen Sprache. Johnson setzte sich mit Romanen wie „Mutmaßungen über Jakob“ und „Zwei Ansichten“ kritisch mit der deutschen Gesellschaft auseinander. Als durchgehendes Motiv findet sich bei ihm die deutsche Teilung, weshalb er bis heute als „Dichter beider Deutschland“ gilt.

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